Der Maiball - Ein geselliger Start in die Saison

Wenn nach langer Winterpause der Mai in den Startlöchern steht, herrscht in Wolsdorf schon große Vorfreude. Endlich geht es wieder los, man trifft sich wieder öfter, Feste stehen ins Haus. Um dieses Gefühl zu beschreiben, welches Mitglieder des Rosenhügel Ende April verspüren, lohnt ein Blick in die folgenden Zeilen aus dem Lied „Der Mai ist gekommen“ und den Prologen des Vereins:

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,

da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus;

wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,

so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Laut schlägt das Herz im Monat Mai,
Der Junggesell´n in bunter Reih,
Dieweil zurzeit, in dieser Frist,
In Wolsdorf grade Kirmes ist.


Wenn im Mai die Knospen schwellen,
Und der Frühling alles schmückt,
Regt sich bei den Junggesellen,
Kirmesfreude – hochbeglückt

Hier bestimmen Optimismus und Vorfreude den Ton, der Mai ist schließlich der „Wonnemonat“. Seit dem Jahr 1998 empfängt auch der Rosenhügel diese schöne Zeit gebührend mit einem „Tanz in den Mai“, also seinem eigenen Maiball. Der Maiball ersetzte in diesem Jahr den zuvor zum Anlass der Wolsdorfer Kirmes stattfindenden Frühball und erfreute sich von Beginn an hoher Beliebtheit. Zunächst im Jagdhaus, mit einem kurzen Abstecher in den Rosenhügel, findet der Maiball seit vielen Jahren im Veranstaltungssaal des Hotel-Restaurants Kasserolle an der Seidenbergstraße statt.

Nicht selten finden sich die ersten Gäste schon gegen 18 Uhr ein, um ihren Lieblingstisch zu ergattern, während der DJ noch sein Equipment und das Tombola-Team die Preise aufbaut. Der Eine bevorzugt schließlich die unmittelbare Nähe zum Buffet, der andere schätzt aus verschiedenen Gründen die kurzen Wege nach draußen. Dem designierten Maikönigspaar mit Familie und Freunden ist natürlich der Tisch in der Mitte des Saals reserviert. Deren Ankunft wird dann auch schon gebührend zelebriert. Auch die Plätze für Ehrengäste, wie zum Beispiel Jubilare, ziert natürlich ein Namensschild. So durfte der Verein im vergangenen Jahr 2022 zur großen Freude aller das Maikönigspaar von 1961, Elke Breuch, geborene Rinschka und Wilfried Johnen, auf dem Maiball begrüßen und nach 60 Jahren zu seinem diamantenen Jubiläum gratulieren. Solch einem Anlass gebührt natürlich eine besondere Ehrung, die der Vorsitzende Bernd Junkersfeld mit Blumen und Geschenken zu Beginn des Abends gerne vornimmt. Zu diesem Zeitpunkt findet sich dann auch häufig die Presse ein, die die letzten Sonnenstrahlen für ein Foto der Ehrengäste mit Vertretern der Lokalpolitik nutzen möchte. Schließlich ist es nach Mitternacht schon ein wenig zu dunkel für ein repräsentatives Foto für die Zeitung. Währenddessen haben die übrigen Gäste schon Zeit die Preise der anstehenden Tombola in Augenschein zu nehmen. Auch wenn manch langjähriges Mitglied gerüchteweise schon drei Sandwichtoaster und vier Radiowecker im Keller lagert, bleibt die Motivation hier zum Glück ungebrochen. Die erhofften Preise schon fest im Sinn, wird während des Losverkaufs argwöhnisch der erste Kassierer Dirk Beck beäugt, ob er trotz anders lautender Bekundungen noch Lose einer weiteren Farbe aus dem Ärmel zaubert.

Ein wenig später, wenn die heiße Schlacht am Buffet ausgetragen ist, steht der nächste Programmpunkt an. Seit vielen Jahren besuchen sich nämlich die beiden Junggesellenvereine gegenseitig auf ihrem Maiball. So fährt unser Maikönigspaar, begleitet von einer kleinen Abordnung, zum Wirtshaus zur Sieg, um den Majestäten des JGV Eintracht Alt Wolsdorf zu gratulieren oder begrüßt umgekehrt die Abordnung von Alt-Wolsdorf auf unserem Maiball. Hier dürfen die Paare dann zum ersten Mal gemeinsam unter den Fahnen tanzen. Auch wenn hier und da ein lustiger Spruch über das Unter- oder Oberdorf fällt (was auch dazu gehört), ist doch eigentlich ein jeder froh, dass man gemeinsam feiert und zusammenhält. Wenn die Stunde schon später geschlagen hat und die Bewirtung entsprechend „auf zack“ war, wird auch schonmal Arm in Arm das Lied intoniert: „Wolsdorf, oh Wolsdorf, klingts durch den Saal. Auf Junggesellen, hebt den Pokal! So soll es bleiben, so soll es sein: hoch unserem Wolsdorf, hoch dem Verein“.

Hat sich die Aufregung anschließend ein wenig gelegt, wird so langsam die Tombola vorbereitet. Spätestens wenn die von unserem Ehrenvorsitzenden Hans Moeres handgemachte Lostrommel, der man ein gewisses Eigenleben nicht abstreiten kann, auf die Tanzfläche getragen wird, wartet der Saal gespannt auf die Verkündung der Gewinnzahlen. Dann übernimmt in der Regel Jürgen Tüschenbönner das Mikrofon als Moderator der Tombola. Mit der Unterstützung ausgewählter Losfeen kürt er die Gewinner, hat aber stets einen kessen Spruch für die Glückspilze parat. Legendär ist mittlerweile schon die Bezeichnung „Saufziege“, für jeden, der ein alkoholisches Getränk gewinnt. Nachdem die designierte Maikönigin den Hauptpreis gezogen hat, wird es nochmal geschäftig im Saal. Denn jetzt werden Preise getauscht, gehandelt und verkauft. Die Männer geben sich jetzt besonders gesprächig und hier und da sieht man den ein oder anderen verlegen hin und her blicken. Denn sie wissen genau, was ihnen blüht: Es ist Zeit den Tanz zu eröffnen und die ersten Paare betreten schon die Tanzfläche. Jetzt lebt auch DJ Gerd so richtig auf und lässt den Pur Hitmix erklingen.

Um kurz vor Mitternacht dürfen wir dann den Bürgermeister begrüßen. Diesmal nicht den Kirmesbürgermeister, sondern den Bürgermeister der Stadt Siegburg. Dieser tritt zwar ohne den markanten Zylinder, aber dafür stets mit einer schönen Rede über Wolsdorf, das Vereinsleben und das designierte Maipaar auf. Ihm gebührt dann die Ehre, dem Maikönigspaar pünktlich um Mitternacht das Amt zu überreichen, das Maikönigspaar also mit Einbruch des Monats Mai zu krönen und Ihnen als Ersterzu gratulieren. Nachdem der traditionelle Prolog vorgelesen wurde, tanzt das Maikönigspaar zum Lied „Der Mai ist gekommen“ unter den Fahnen des Vereins. Nach dem obligatorischen Jubelsturm lassen es sich auch die übrigen Gäste natürlich nicht nehmen, dem frischgekrönten Paar zu gratulieren. Nun ist tatsächlich der Mai gekommen und das wird anschließend noch kräftig zelebriert.

Klingt der Maiball dann so langsam aus, treffen sich einige Mitglieder noch auf ein Gläschen bei der Maiwache am Lagerfeuer. Denn während der Großteil der Mitglieder dem Maiball beiwohnt, bewachen einige tapfere Mitglieder den stolzen Vereinsmaibaum, der traditionell am Samstag, eine Woche vor dem Maiball, an der Jakobstraße 1 aufgestellt wird. „Wir gehen noch am Maibaum vorbei“, oder „Wir sehen uns am Maibaum“ hört man dann von den sich verabschiedenden Gästen. Zugegeben, ein Ende zu finden ist nicht gerade die Stärke von uns Wolsdorfern. So verzeichnet die Maibaumwache dann jedes Jahr ein kleines Hoch zwischen 2 und 4 Uhr in der Früh, ehe der letzte Wachmann dann von den ersten Sonnenstrahlen erlöst wird. Denn ab dann ist das Fällen oder Stehlen der Maibäume offiziell nicht mehr erlaubt. Und dann heißt es auch noch schnell ein paar Stunden zu schlafen, schließlich steht am nächsten Morgen schon das Maianschwenken auf dem Plan.